Archiv der Kategorie: Digitalisierung

Das Ende ist nah

Vor gar nicht so vielen Jahren konnten und wollten sich gedruckte Nachrichtensammelstellen noch als Hüter des freien Wortes gerieren (als eine sich gerne so nennende Vierte Gewalt). Seit es mit dem alten Geschäftsmodell abwärts geht und die Anpassung an die digitale Welt nicht klappen will, nimmt dieser Wille offenbar in dem Maße ab, in dem der Anschein des Freiheitskampfes nicht den Umsatz beflügelt.

Nun scheint das Ende nah: Es ist schwer, das Leistungsschutzrecht anders zu verstehen denn als Melange von Realitätsverweigerung und kognitiver Dissonanz. Die FAZ (Link fehlt, siehe LSR) setzt jetzt noch einen drauf und geht gegen die bloggende Konkurrenz vor: Eine mit 5001 Euro direkt auf die Freie Hansestadt Hamburg abgestimmte Abmahnung für den Gebrauch der Wendung „Schavan-Freundin“ zur Charakterisierung einer im Sinne der Verteidigung des Dissertationsplagiats der ehemaligen Bundesbildungsministerin schreibenden Journalistin kann kaum mehr anders verstanden werden denn als wahnwitzige Übersprungshandlung einer Spezies auf sinkendem Schiff.

Auf die erste Fassungslosigkeit folgt angesichts der halsbrecherischen Abmahnbegründung, die sich bei der Erklärung des Unerklärlichen ergibt, der Sturz ins metaphysisch Bodenlose: Der Begriff (Freundin!), so die Einsicht, insinuiere eine Lebenspartnerschaft, wie daraus ersichtlich, dass der inkriminierte Artikel an anderer Stelle auf ein Blog verweist, in dessen Tiefen einst eine dritte Person einen Kommentar hinterlassen hatte, die ihrerseits ein Blog betreibt, auf dem die unterstellte Beziehung einmal hergestellt wurde (wen die Absurdität des Vorgangs bis hierhin nicht mit ganzer Wucht trifft, der füttere im Selbstversuch eine Suchmaschine mit den zwei Begriffen Merkel-Freundin, Schavan und erfreue sich der vielen Treffer in den Qualitätsmedien, die bislang offenbar niemandem abmahnungswürdig erschienen). Nochmal zum langsamen Mitdenken: Ein Autor wird abgemahnt, weil sein Artikel eine geläufige Wendung enthält, die üblicherweise (und auch ganz offensichtlich im vorliegenden Kontext) eine unauffällige Bedeutung trägt, die hier deswegen nicht als gegeben angenommen sondern durch eine vorgeblich inkriminationswürdige Bedeutung ersetzt wird, weil es im Artikel unabhängig einen Link auf ein Blog gibt, wo jemand einmal einen mit all dem nicht weiter verbundenen Kommentar hinterlassen hat, auf dessen eigenen Webseiten wiederum es eine Stelle gibt, die… Gemäß dieser, nunja, Denkweise ließe sich in der digitalen Welt schlicht gar nichts mehr publizieren.

Aber die digitale Welt ist ja genau das Problem. Jedenfalls das Problem der Alten Medien.

Suchmaschinengeschäftsmodell

Mit einiger Verwunderung und noch mehr Unverständnis und einer schon fast morbiden Faszination nehme ich die lautstarken Versuche so mancher von regem Publikationsverkehr abhängigen Traditions-Medien wahr, Suchmaschinenbetreibern zu verbieten, sie aggregativ zu zitieren; und ihnen damit vermutlich einen immer größeren Teil ihres Publikums zuzuführen. Ich selber lese eigentlich mittlerweile zielgerichtet großenteils Blogs und spezielle Themenseiten; zur tradionellen Presse finde ich von andernorts (und würde ihr Wegfallen tendenziell immer weniger unmittelbar bemerken).

Eine der seltsamen Begründungen der Altmedien für ihre scheinbare Unterlassungs- und tatsächliche Geldforderung lautet immer wieder, die Suchmaschinen seien von ihren wertigen Inhalten abhängig. Die darin enthaltene Zweitbehauptung hinsichtlich Qualität sei hier gerne ignoriert. Wie steht es aber um die vorgebliche Abhängigkeit des Geschäftsmodells der Suchmaschine(n)? Nun, wenn man den von Frédéric Filloux recherchierten Zahlen glauben darf, dann liegt hier eine große Fehleinschätzung vor. Diese könnte neben anderem das Ende der Alten Medienwelt bald besiegeln.

Die Zukunft von damals

Im Jahr 1962 machten sich die Mitglieder der Organisation, die kurze Zeit später zur IEEE wurde, unter anderem über die Zukunft der damals noch recht jungen Computertechnik Gedanken. Interessanterweise wurden deren Potenzial und Stoßrichtung ganz gut eingeschätzt, wobei lediglich die zeitlichen Proportionen etwas durcheinander geraten sind. Zur Vorsicht mag außerdem mahnen, dass hinsichtlich der im genannten Artikel getroffenen Auswahl nicht  klar ist, wie stark sie vom Wissen um das gesteuert ist, was so oder ähnlich auch wirklich eintrat: Es kann da so einiger wilder Unsinn ausgespart worden sein. Aber immerhin, die referierten Vorstellungen der Entwickler waren alles in allem doch recht realistisch.